7. Sitzung des Arbeitskreises Wirtschaftsarchive Bayern beim Historischen Verein bayerischer Genossenschaften e.V. (Genossenschaftsverband Bayern e.V.) in München


Am 25. Juli 2008 traf sich der vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv geführte Arbeitskreis “Wirtschaftsarchive Bayern“ zu seiner 7. Arbeitstagung beim Genossenschaftsverband Bayern e.V. in München. Professor Dr. Willibald J. Folz, Verbandspräsident des Genossenschaftsverbands Bayern e.V. i.R., begrüßte 34 Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchivare aus dem Freistaat, die der Einladung gefolgt waren. Er verwies auf die bedeutende Rolle der Genossenschaften in der bayerischen Wirtschaft. Unter den gegenwärtig 1.114 genossenschaftlichen Unternehmen in Bayern mit insgesamt 67.000 Beschäftigten befinden sich 328 Volks- und Raiffeisenbanken mit einer Bilanzsumme von über 108 Milliarden Euro. Daneben erzielen 548 Raiffeisen-Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sowie 152 gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften einen Umsatz von über 10 Milliarden Euro. Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, dankte Professor Folz für die Gastfreundschaft im Haus des Bayerischen Genossenschaftsverbands e.V. und lobte die Teilnehmer/innen für das rege und kontinuierliche Interesse an den jährlichen Sitzungen des Arbeitskreises.
Professor Dr. Ludwig Hüttl, Mitglied des Vorstands und Schriftführer des Historischen Vereins bayerischer Genossenschaften e.V., gab einen kurzen Überblick über die Geschichte des Genossenschaftswesens in Deutschland und Bayern. Anschließend erläuterte er Aufgaben, Ziele und Tätigkeitsfelder des 1996 gegründeten Historischen Vereins bayerischer Genossenschaften e.V. Neben der Erforschung der Geschichte der Genossenschaften in Bayern im Rahmen einer eigenen „Schriftenreihe zur Genossenschaftsgeschichte“ sowie der Veranstaltung von wissenschaftlichen Symposien und Ausstellungen widmet sich der Verein vor allem dem Aufbau einer Fachbibliothek und eines Historischen Archivs – mit dem Ziel, durch die Archivierung von Schriftgut des Genossenschaftsverbands Bayern sowie der Übernahme von Archivbeständen aus genossenschaftlichen Unternehmen im Freistaat einem drohenden Verlust wertvoller Quellen vorzubeugen und diese der historischen Forschung zugänglich zu machen.
Im Hauptreferat des Vormittags stellten Robert Fleischberger und Peter Thoma, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus bzw. Wissenschaft, Forschung und Kunst, das von der bayerischen Staatsregierung beschlossene E-Government-Projekt „ELDORA“ (Elektronische Dokumentenbearbeitung mit Recherche und Aktenverwaltung) vor. Die flächendeckende Einführung eines einheitlichen elektronischen Dokumentenmanagement- und Vorgangsbearbeitungssystems bei den staatlichen Behörden ist ein zentraler Schritt der E-Government-Initiative des Freistaats. Fernziel ist das papierlose Büro vom Posteinlauf bis zur Archivierung. Seit September 2005 beschäftigen sich die beiden Ministerien mit der Einführung des Systems. Es orientiert sich bei der Überführung von behördlichen Geschäftsprozessen sowie der Vorgangsbearbeitung und Archivierung in konforme IT-Prozesse am bewährten DOMEA-Konzept (Dokumentenmanagement und elektronische Archivierung in der öffentlichen Verwaltung). Nach Abschluss der organisatorischen Vorarbeiten startete im Juli 2006 die Pilotphase. Bis Ende 2007 wurden alle Mitarbeiter geschult und die Arbeit mit dem System in Teilbereichen aufgenommen. Anschließend wurde das Bearbeitungswissen für den Umstieg auf eine flächendeckende Einführung aufgebaut, sodass gegenwärtig etwa zehn Prozent des Aktenbestands elektronisch geführt wird. Die Referenten betonten die Notwendigkeit einer prozessorientierten Vorgehensweise. Die Erfahrung zeige, dass die Benutzer in der Regel nicht in der Lage seien, sich sofort komplett auf die neue elektronische Bearbeitungsweise umzustellen, sondern aufgrund vielfach vorhandener mentaler Barrieren sich nur langsam und sukzessive an das neue System gewöhnen könnten. Anhand einer Präsentation veranschaulichten die Referenten an einzelnen Beispielen den idealtypischen Ablauf einer elektronischen Vorgangsbearbeitung vom Scannen der Eingangspost über die Metadatenerfassung und die Vorgangsbearbeitung durch verschiedene Bearbeiter bis zum Erledigungsvermerk und der Ablage in der elektronischen Akte.
Im Anschluss an das gemeinsame Mittagessen auf Einladung des Genossenschaftsverbands Bayern e.V. erläuterte Dr. Silvia Gallowsky, Archivarin des Genossenschaftsverbands Bayern e.V., im Einzelnen Aufgaben und Arbeitsweise des Historischen Archivs. Darüber hinaus stellte sie die wichtigsten Bestandsgruppen vor und berichtete über die Praxis bei der Übernahme von Archivbeständen genossenschaftlicher Unternehmen und deren Erschließung. Danach erwartete die Teilnehmer eine fachkundige Führung durch Bibliothek und Historisches Archiv. In bewährter Weise bot die Tagung allen Teilnehmern ausreichend Gelegenheit für kollegiale Gespräche und einen intensiven Erfahrungsaustausch.


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