3. Sitzung des Arbeitskreises Wirtschaftsarchive Bayern im SiemensForum München


Auf Einladung des Siemens-Archivs traf sich am 17. Juni 2004 der vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv geführte Arbeitskreis “Wirtschaftsarchive Bayern“ zu seiner diesjährigen Arbeitstagung im SiemensForum München. Die Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, Dr. Eva Moser, begrüßte die über 40 Teilnehmer aus allen maßgeblichen bayerischen Wirtschaftsarchiven und wertete dies als überzeugenden Beleg dafür, dass der Netzwerkgedanke bei den bayerischen Unternehmensarchiven mittlerweile einen hohen Stellenwert einnimmt.
Im Zentrum der vom Siemens-Archiv organisierten Tagung stand das Problem der Langzeitarchivierung von in den Unternehmen zunehmend ausschließlich in digitaler Form vorliegenden Informationen.
Zunächst stellte der Leiter des Siemens-Archivs, Dr. Frank Wittendorfer, die wichtigsten Meilensteine und Entwicklungen in der Geschichte des 1907 gegründeten Siemens-Archivs vor. Vor allem die 1990er Jahre waren geprägt von umfassenden Aktenerwerbungen, Erschließungsarbeiten und Digitalisierungsmaßnahmen, die durch die Implementierung einer leistungsfähigen Archivsoftware möglich geworden waren. Während dieser Zeit wandelte sich das Siemens-Archiv zu einem modernen unternehmensinternen Dienstleister. Im Anschluss daran stellte Dr. Wittendorfer das Konzept eines „Dezentralen Konzernarchivs“ vor, auf dessen Grundlage der Ausbau des Archivs, das Bestände der Zentralabteilungen, weniger aber Bestände der Siemens-Einheiten weltweit, ver-wahrt, vorangetrieben werden soll.
Die Mitarbeiter des Siemens-Archivs (Ute Schiedermeier, Alexandra Kinter, Christoph Frank und Sabine Dittler) stellten anschließend die Erfahrungen des digitalen Siemens-Archivs unter konzeptionellen, organisatorischen und prozessorientierten Aspekten vor.
Alexandra Kinter befasste sich in ihrem ersten Vortrag mit der Archivierung von digi-talen Volltext-Dokumenten, die das Siemens-Archiv bereits 1993 bei Einführung des damaligen Informationssystems InfoSiM realisiert hatte. Ging es zunächst noch ausschließlich um die Retrodigitalisierung von Massendaten wie z.B. Rundschreiben, wurde nach ca. fünf Jahren eine Schnittstelle für die Übernahme ausschließlich digital angelieferter Dokumente erforderlich. Beim Thema digitale Bildarchivierung erläuterte dann Christoph Frank zunächst die bisherige Vorgehensweise: anfangs wurden die Fotografien lediglich in so genannter Vorschauqualität archiviert. Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wurde später bei geeigneten Archivalien eine Auswahl aussagekräftiger Bilder nach neu definierten Kriterien digitalisiert. Zukünftig soll ein Bildmotiv in drei verschiedenen Qualitäten digital zur Verfügung stehen.
Audio-visuelle Medien werden im Siemens-Archiv aufgrund fehlender Standardfor-mate sowie aus Speicherplatzgründen noch nicht digital im System abgespeichert und verwaltet. Wie Alexandra Kinter ausführte, wurde in den letzten Jahren aufgrund der gestiegenen Nachfrage eine Auswahl an wichtigen Filmen und Tondokumenten im digitalen Format digibeta bzw. CD bereitgestellt. Ute Schiedermeier wagte einen Blick in die Zukunft und wies auf die immer wichtiger werdende, aber technisch noch lange nicht gelöste Frage der Langzeitarchivierung von Datenbanken, Webauftritten und CD-ROM-Inhalten hin. Anschließend zeichnete sie in einem Werkstattbericht die Meilensteine bei der Auswahl des neuen Archivinformationssystems nach, zu dessen Anschaffung sich das Firmenarchiv entschieden hat, um für die Herausforderungen an die zukunftssichere Archivierung digitaler Dokumente gewappnet zu sein.
Im Anschluss an die Ausführungen zu den Kernprozessen des Siemens-Archivs for-derte Sabine Dittler in ihrem Vortrag „Internet, Intranet und Newsletter – Die Auswei-tung des Dienstleistungsangebots durch den Einsatz digitaler Medien“ auf, digitale Medien gezielt für die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmensarchiven zu nutzen. Einleitend gab sie einen Überblick über Ziele der archivischen Öffentlichkeitsarbeit des Siemens-Archivs. Am Beispiel der Siemens History Website und der Intranet-Angebote illustrierte Sabine Dittler die Möglichkeiten des Archivs, seine Funktion als Informations- und Servicecenter für unternehmens- und wirtschaftshistorische Themen zu unterstreichen. In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass die Gestaltungsmöglichkeiten der Archivmitarbeiter deutlich größer sind, wenn man sich nicht auf die Rolle des Zulieferers beschränkt, sondern aktiv Marketing für die Produkte und Dienstleistungen des Archivs betreibt. Auf diese Weise lässt sich der Geschäftswertbeitrag eines Archivs sehr viel besser verdeutlichen und seine Position innerhalb und außerhalb des Unternehmens ausbauen. Die Präsentation der aktuellen Maßnahmen wurde durch einen Überblick über mittel- und langfristige Projekte im Bereich der archivischen Öffentlichkeitsarbeit ergänzt.
Als externe Referentin zeigte Ursula Welsch von „Neue Medien“ (www.welschmedien.de) abschließend Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von XML für die Archivierung auf. Die Vorteile und Einschränkungen der Nutzung von XML wurden an drei Beispielen aus der Praxis vorgeführt:
  • Auszeichnung von Erschließungsdaten anhand der EAD-Struktur (Encoded Archival Description)
  • Erschließung und Verwaltung elektronischer Dokumente anhand der TEI-Struktur (Text Encoding Initiative)
  • Realisierung von Online-Findbüchern mit der MIDOSA-Struktur (Archivschule Marburg)
Darüber hinaus wurden die unschätzbaren Vorteile von XML bei der Migration von Datenbeständen für die Langzeitarchivierung aufgezeigt. Führungen durch die Dauerausstellung und durch die Magazinräume des Siemens-Archivs rundeten die gelungene Veranstaltung ab.


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