14. Sitzung des Arbeitskreises Wirtschaftsarchive Bayern im Münchner Bank Museum, München


Am 25. Juni 2015 traf sich der vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv geführte Arbeitskreis Wirtschaftsarchive Bayern zu seiner 14. Arbeitstagung im Museum der Münchner Bank. Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, begrüßte die 33 Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchivare aus dem Freistaat, die der Einladung gefolgt waren. Sie freute sich über das ungebrochene Interesse am Arbeitskreis Wirtschaftsarchive Bayern, der sich im 14. Jahr seines Bestehens noch immer reger Teilnahme erfreut. Sie dankte Gastgeberin Irina Hahn, Medienbeauftragte Münchner Bank Haus, für die Ausrichtung der Tagung in den Räumen des Münchner Bank Museums. Vorstandsvorsitzender Wilfried Gerling ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls ein Grußwort an die Gäste zu richten. Er verwies auf die über 150jährige Tradition des genossenschaftlichen Geldinstituts und die Pflege des geschichtlichen Erbes, die sich vor allem in der Sorge um die historischen Dokumente und der Einrichtung des Münchner Bank Museums manifestiert.
Die Tagung beschäftigte sich mit dem Thema „Firmengebäude und Identität: Herausforderungen auch für Archive“. Notwendige bauliche Veränderungen an Unternehmensdomizilen stehen nicht selten im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen moderner Arbeitsökonomie und der gewachsenen Tradition eines baulichen Ensembles. Am Beispiel zweier markanter Münchner Firmengebäude wurden die damit verbundenen Möglichkeiten und Probleme in drei Referaten vorgestellt und von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Arbeitskreises diskutiert.
Irina Hahn gab zunächst einen Überblick über die Geschichte der Münchner Bank eG. Das Bankinstitut ist die älteste bayerische Genossenschaftsbank. Mit 632 Mitarbeitern, 37 Standorten im Großraum München, fast 50.000 genossenschaftlichen Mitgliedern, 117.000 Kunden und einer Bilanzsumme von 3,3 Mrd. Euro ist sie zugleich eine der größten Universal-Genossenschaftsbanken Bayerns. Das 1862 ursprünglich unter dem Namen Münchener Darlehen-Verein als genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtung zur Annahme von Spareinlagen und Ausreichung von Darlehen von 22 Mitgliedern ins Leben gerufene Institut nannte sich seit 1865 Münchener Industrie-Bank. Ab 1899 residierte die Hauptverwaltung im neuen Stammsitz gegenüber der Frauenkirche. Nach der Fusion mit der seit 1881 bestehenden Oberbayerischen Volksbank 1964 firmierte das Institut als Volksbank München. Sie fusionierte 1990 mit der seit 1881 bestehenden Münchner Bank eG, deren Firmierung übernommen wurde. 2005 erfolgte die Fusion mit der Raiffeisenbank München, 2012 mit der Raiffeisenbank Oberschleißheim.
Das 1897 von der Bank erworbene Haus am Frauenplatz 2 wurde durch Luftangriffe 1944 stark beschädigt und 1955/57 wieder aufgebaut. Ab 2010 erfolgte ein umfassender Umbau und eine Neugestaltung des Komplexes zum Münchner Bank Haus unter Bewahrung der denkmalgeschützten Fassadenteile. Nach der feierlichen Wiedereröffnung im November 2013 beherbergt das Haus im 1. Untergeschoß einen öffentlichen Raum für Begegnungen mit der spannenden Welt des Geldes und der Finanzen. Mit anschaulich aufbereiteten Wandbildern und Filmen werden Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Münchner Bank sowie allgemein über das Geld-, Bank- und Genossenschaftswesen vermittelt. Dazu werden auch Führungen angeboten, die besonders bei Kindern und Jugendlichen sehr gefragt sind.
In den Rundgang ist im 2. Untergeschoss auch die Besichtigung eines Tresorraums eingebunden, der spannende Einblicke in den Sicherheitsbereich bietet. Im Kundenforum im Erdgeschoss hat die Genossenschaftsbank ein außergewöhnliches mediales Konzept umgesetzt. Kunden und Interessierte können an so genannten „interaktiven Tischen“ per Touch-Screen erste Informationen zu Produkten und Finanzthemen sammeln und zum Beispiel ihre eigenen Vermögensziele zusammenstellen. Ebenfalls im Kundenforum vermitteln kunstvolle und hochwertige Filmsequenzen auf großflächigen Medienwänden ein beeindruckendes Seherlebnis. Als Motive dienen hier unter anderem Münchner Panorama- und Landschaftsbilder sowie Dokumentaraufnahmen aus Betrieben von Mitgliedern der Münchner Bank. Das „Aktuelle Fenster“ informiert zusätzlich über aktuelle Nachrichten und Veranstaltungen.
Elke Pfnür und Felix Holderer, Corporate History UniCredit Bank AG - HypoVereinsbank, berichteten in ihrem Vortrag über die Geschichte des HVB-Tower, die derzeit laufende umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Münchner Verwaltungsgebäudes der Bank sowie das in diesem Zusammenhang von Corporate History verantwortete „Projekt Raum 1981“. Bereits 1960 gab es erste Überlegungen, die auf zwölf Standorte verteilte Zentrale der damaligen Hypo-Bank an einem Ort zu konzentrieren. Nachdem das Architekturbüro Betz 1969 den Architektenwettbewerb für sich entschieden hatte, begannen die konkreten Planungen zum Bau des Hypo-Hauses am Arabellapark. Die Bauvorbereitungen starteten im September 1974 mit dem Erdaushub. Für die Flachbauten und die Säulen des Turms begannen die Baumaßnahmen im April 1975. Im November 1978 wurden die neuen Räume in den Flachbauten bezogen. Das Hochhaus am Arabellapark wurde 1981 fertiggestellt und am 16. November 1981 offiziell eröffnet. Die Baukosten überschritten mit 486 Millionen DM die zunächst veranschlagte Summe von 360 Millionen DM erheblich.
Zum Ensemble gehören auch noch zwei Flachbauten (Nord und Süd) sowie das später gebaute Hypo-Haus Ost. Die statischen Berechnungen waren aufgrund der ausgefallenen Architektur sehr aufwendig, zumal unter dem Gebäude auch die neue die U-Bahnlinie verlief. Der HVB-Tower mit 27 oberirdischen und vier unterirdischen Geschossen war mit 113 Metern bis 2004 das höchste Bauwerk in der bayerischen Landeshauptstadt. Als architektonische Besonderheit gelten fünf Hängegeschosse im Gebäude (fünftes bis neuntes Obergeschoss), die vom zentralen Tragrahmen abgehängt sind. 2013 begann die aufwändige Erneuerung des Baukomplexes. Wichtiger Bestandteil der energetischen Sanierung ist die Restaurierung der gesamten Fassade unter Einhaltung des äußeren, denkmalgeschützten Erscheinungsbildes. Zudem wird die Gebäudetechnik erneuert und der Gebäudebrandschutz an heutige Normen angepasst. Im HVB Tower wird zudem ein modernes Büroraumkonzept (Smart Working) eingeführt, das eine deutliche Flächeneinsparung erzielt. Das Gebäude wird künftig der Unternehmens- und Vorstandssitz der HypoVereinsbank sein.
Um das im Zuge der Sanierung künftig völlig veränderte – ursprünglich von dem bekannten Raumplaner Paolo Nestler mit naturähnlichen Farbtönen gestaltete – innere Erscheinungsbild ausschnittsweise zu konservieren, stattet Corporate History einen Büroraum komplett im damaligen Einrichtungsstil samt Büromöbeln und –geräten aus. Der „Raum 1981“ wird dann die „Spätgeborenen“ unter den HVB-Mitarbeitern an die einstige „Bürowelt“ des 1981 eröffneten Towers erinnern.
Nach einem Mittagsimbiss im Münchner Bank Museum, der weitere Gelegenheit zum fachlichen Austausch bot, führte Irina Hahn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Räumlichkeiten des neu gestalteten Hauses am Frauenplatz und erläuterte Details der architektonischen Neugestaltung. Ein besonderer Applaus für die Gastgeberin setzte den Schlusspunkt der Tagung.


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