12. Sitzung beim Siemens Historical Institute in München



Am 10. Juli 2013 tagte der vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv geführte Arbeitskreis Wirtschaftsarchive Bayern beim Siemens Historical Institute (SHI) in München. Dr. Christoph Wegener, Leiter SHI, begrüßte die 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er gab einen Einblick in die Tätigkeit des seit 2011 bestehenden SHI, das sich in die Bereiche Archiv, Museum und History Marketing gliedert. Das bereits 1907 gegründete Siemens-Archiv umfasst rund 4.000 Fachbodenmeter an historischem Schriftgut, 12.000 Bibliotheksbände, 6.000 Filme und 800.000 Fotos. Das Museumsdepot beherbergt etwa 17.000 Exponate. Zum History Marketing zählen neben Ausstellungsaktivitäten eine Vielzahl von internen und externen Projekten, in denen die Unternehmensgeschichte als Marketingressource eingesetzt wird.
Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, begrüßte die Anwesenden, darunter einige „neue Gesichter“ aus bayerischen Unternehmensarchiven. Das große Interesse an der Veranstaltung bewertete sie als schlagenden Beweis für die Bedeutung des Netzwerkes „Wirtschaftsarchive Bayern“. Ihr Dank galt Herrn Wegener und dem gesamten Team des HSI für die Gastfreundschaft im Hause Siemens.
Judith Mathes, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement bei der IHK für München und Oberbayern, referierte anschließend zum Thema „Qualitätsmanagement als Organisationsentwicklung“. Qualitätsmanagement (QM) als Teilbereich des funktionalen Managements hat das Ziel, die Effektivität und Effizienz von Geschäftsprozessen zu erhöhen. Dazu zählen die Optimierung von Kommunikationsstrukturen, die Steigerung der Kundenzufriedenheit einschließlich der Motivation der Mitarbeiter sowie die Standardisierung bestimmter Handlungs- und Arbeitsprozesse. Insbesondere bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen soll das QM sicherstellen, dass Qualitätsbelange den zugewiesenen Platz einnehmen. Im Rahmen der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) bei der IHK für München und Oberbayern 2008 wurde auch für das Bayerische Wirtschaftsarchiv (BWA) als Gemeinschaftseinrichtung aller bayerischer IHKs ein umfassendes QMS aufgebaut und in einem Handbuch dokumentiert. Damit gehört das BWA zu den ersten nach DIN EN ISO Norm 9001:2008 zertifizierten Archiven in der Bundesrepublik. Um den Qualitätsstandart auch weiterhin zu garantieren, unterzieht sich das BWA jährlichen Überwachungsaudits. Ein QM im Unternehmensarchiv – so das Fazit von Judith Mathes – kann die Akzeptanz der Einrichtung intern wie extern wesentlich erhöhen.
Henning Stibbe, Leiter Historisches Archiv bei MAN Truck & Bus München, berichtete in seinem anschließenden – dedektivisch spannenden – Vortrag über ein Problemfeld, mit dem sich viele Unternehmensarchivare konfrontiert sehen, nämlich der Datierung von undatierten Fotos und Drucksachen (v.a. Werbeprospekte und Kataloge). Auch im MAN-Archiv gibt es eine Vielzahl von solchen undatierten Dokumenten. Stibbe und seinen Mitarbeitern gelang es in einem zwar zeitaufwendigen, letztlich jedoch ungemein fruchtbaren Prozess über die Entschlüsselung eines von der Verwaltung ursprünglich zur Ablage der Dokumente verwendeten internen Nummerncodes eine exakte Datierung vorzunehmen.
Nach dem Mittagessen besichtigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der sachkundigen Führung von Hermann Moufang das Exponate-Depot der Siemens AG. Es beherbergt Produkte aus allen Unternehmenssparten – von Haushaltsgeräten über Elektromotoren und Generatoren bis hin zum Mobiltelefon.


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