10. Sitzung des Arbeitskreises Wirtschaftsarchive Bayern beim Historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks in München



Am 4. Juli 2011 traf sich der vom Bayerischen Wirtschaftsarchiv geführte Arbeitskreis Wirtschaftsarchive Bayern zu seiner 10. Arbeitstagung beim Bayerischen Rundfunk in München. Heinz-Jochem Hirschbrunn, Leiter der Hauptabteilung Allgemeine Dienste des Bayerischen Rundfunks, begrüßte 35 Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchivare aus dem Freistaat, die der Einladung gefolgt waren. Er verwies auf die zentrale Rolle des Historischen Archivs des Bayerischen Rundfunks. Es sammelt, sichert, ordnet und erschließt Schriftgut, Plakate und Objekte zur Entwicklung des Senders von den Anfängen 1922 bis zur Gegenwart. Es stellt schriftliches Quellenmaterial für die Rundfunkforschung und publizistische Zwecke zur Verfügung und erfüllt damit den Kultur- und Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Das Archiv betreibt Marketing mit der über 80-jährigen Geschichte und Tradition des Bayerischen Rundfunks und bildet somit auch einen wichtigen Teil der internen und externen Unternehmenskommunikation. Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, dankte Herrn Hirschbrunn sowie Bettina Hasselbring, Leiterin des Historischen Archivs des Bayerischen Rundfunks, für die gewährte Gastfreundschaft.
Bettina Hasselbring skizzierte in ihrer Einführung die Frühgeschichte des Bayerischen Rundfunks. Am 12. September 1922 wurde in der bayerischen Landeshauptstadt unter maßgeblicher Beteiligung des Münchner Spirituosenfabrikanten Robert Riemerschmid die „Deutsche Stunde in Bayern Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH“ gegründet, die am 30. März 1924 mit der Ausstrahlung ihrer ersten Sendung das Rundfunkzeitalter in Bayern einläutete. 1930 wurde die „Deutsche Stunde“ in „Bayerische Rundfunk GmbH“ umbenannt, ab 1934 gehörte der Betrieb als „Reichssender München“ zum späteren „Großdeutschen Rundfunk“. Im Mai 1945 gründete die amerikanische Besatzungsmacht den Sender „Radio München“, der im Januar 1949 als „Bayerischer Rundfunk“ in Form einer Anstalt des öffentlichen Rechts in deutsche Hände überging. Der Sendestart des Fernsehens in Bayern erfolgte 1954 im Rahmen des ARD-Gemeinschaftsprogramms.
Anschließend gaben Sabine Rittner und Nicole Sachmann vom Historischen Archiv einen kurzen Überblick über die ersten Schritte zum Aufbau eines digitalen historischen Archivs, das zunächst vor allem elektronische Publikationen, Sende- und Programmunterlagen umfassen soll.
Unter dem Titel „Alltäglich und doch nicht selbstverständlich. Konservatorische Grundregeln im Archiv“ referierte Dr. Maria Rita Sagstetter, Leiterin des Staatsarchivs Amberg, über die wichtigsten Aspekte bei der Lagerung, Verpackung und Benützung (einschließlich Ausheben und Reponieren) von Archivgut. Die Beachtung dieser Regeln stellt die wirkungsvollste und wirtschaftlichste Maßnahme zur Erhaltung von Archivgut dar. Ihre Beachtung erfordert oft nur eine kleine Mühe, die aber mit großer Wirkung zur Schadensvermeidung oder zumindest Schadensbegrenzung beitragen kann. Dr. Sagstetter stellte die einschlägige Norm DIN ISO 11799 vor, welche die Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut beschreibt, außerdem benannte sie Veröffentlichungen und Handreichungen zu den Aspekten Schimmelprophylaxe, Verpackung und Benützung. Anhand von Schadensbildern aus der Praxis verdeutlichte sie anschaulich falsches und richtiges Verhalten im Umgang mit den Archivalien. Eine Zusammenstellung von Internetadressen und einschlägigen Literaturangaben zu den vorgestellten konservatorischen Grundregeln kann unter http://www.gda.bayern.de/veranstaltungen/archivtag_2011 abgerufen werden.
Ein zentraler Punkt bei der Bestandserhaltung ist das Raumklima. Eine Temperatur von 16–20 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte von 45–55 Prozent sind anzustreben, um keine dauerhafte Schädigung des Schriftgutes hervorzurufen. Die Lüftung eines Archivraumes ist nur sinnvoll, wenn die absolute Luftfeuchte, die mit einem Feuchtemessgerät problemlos zu ermitteln ist, außerhalb des Magazins geringer ist als innerhalb. Anderenfalls wird eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit im Raum erzeugt. Ab einer relativen Luftfeuchte von über 60 Prozent bzw. einem absoluten Wassergehalt des Archivguts von mehr als 12 Prozent wird die Schimmelbildung begünstigt.
Nach einem Mittagsimbiss auf Einladung des Bayerischen Rundfunks hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu einer Führung durch die Hörfunkarchive des Bayerischen Rundfunks, die von der Leiterin Mary Ellen Kitchens und ihrem Team durchgeführt wurde. Erläutert wurden dabei auch die gegenwärtig laufenden Projekte zur Digitalisierung von Tonbändern, Schallplatten und anderen analogen Audiomedien. Wie immer bot die Tagung ausreichend Gelegenheit für kollegiale Gespräche und intensiven Erfahrungsaustausch.


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