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Bayerisches Wirtschaftsarchiv München
.Tektonik: 03 Unternehmen
..Bestand: F 044 - Krauss-Maffei AG, München



Maffei-Lokomotive S3/6, 1908
Krauss-Maffei AG, München
Umfang: 140 Meter
Laufzeit: 1843-2001
Erschließung: Übernahmeverzeichnis
Benützung: Gleitende Sperrfrist (30 Jahre) für nicht zur Veröffentlichung bestimmte Dokumente
Übernahme: 2001
Literatur: Krauss-Maffei. 150 Jahre Fortschritt durch Technik. 1838-1988, München 1988; Auer, Alois (Hg.): Krauss-Maffei. Lebenslauf einer Münchner Fabrik und Belegschaft, Kösching 1988
Geschichte des Bestandsbildners: 1838 erwarb Joseph Anton von Maffei das Eisenwerk in der Hirschau bei München und nahm die Fertigung von Lokomotiven auf. 1841 wurde die erste, 1874 die tausendste Lokomotive ausgeliefert. 1866 gründete Georg Krauss am Münchner Marsfeld die Lokomotivfabrik Krauss & Comp., die 1882 die tausendste Lokomotive produzierte und bereits 1872 durch ein Zweigwerk in München-Sendling bzw. 1880 durch eine Filiale in Linz erweitert worden war. 1886 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und beteiligte sich 1908 an der Gründung der Eisengießerei Krautheim & Co. in München-Allach, die Krauss in der Folgezeit vollständig übernahm. Als zweites Standbein nahm die Firma 1925 die Produktion von Lastkraftwagen auf. J.A. Maffei erweiterte die Produktpalette durch den Bau von Straßenwalzen (1880), Dampfturbinen (1904), Zentrifugen (1926) und Zugmaschinen (1927). 1927 erfolgte die Umwandlung in die Aktiengesellschaft "J.A. Maffei AG", bevor das Unternehmen dann im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten geriet und 1931 von der Krauss & Comp. AG übernommen wurde. Die neugegründete "Lokomotivfabrik Krauss und Comp. - J.A. Maffei Aktiengesellschaft" verlegte anschließend ihren Sitz nach München-Allach. Ab 1936 wurde dort die Produktion von Kettenzugmaschinen für die Wehrmacht aufgenommen. 1940 erfolgte die Änderung des Firmennamens in "Krauss-Maffei AG".
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr das Produktionsprogramm - neben dem Kerngeschäft des Lokomotivenbaus - zum Teil durch Firmenübernahmen und -beteiligungen eine kontinuierliche Erweiterung, unter anderem um Omnibusse (1945-1965), Trockner und Filter (1948), Walzwerkseinrichtungen (1952), Tafelglasziehmaschinen (1955-1968), Kunststoffverarbeitungsmaschinen und verfahrenstechnische Geräte (1956), Extruder (1971), Automationstechnik (1986). 1963 wurde Krauss-Maffei Generalunternehmer für das Management und die Serienfertigung des Kampfpanzers Leopard 1, 1977 für den Leopard 2. 1976 begann die Auslieferung des Flakpanzers Gepard. Ab 1969 erfolgte die Entwicklung der Magnetschwebetechnik (Transrapid). Nachdem seit 1955 die Buderus AG in Wetzlar Mehrheitsaktionär war, erwarb 1990 die Düsseldorfer Mannesmann AG die Aktienmehrheit. Im Zuge durchgreifender Restrukturierungsmaßnahmen erfolgte 1999 die Fusion mit der Mannesmann Demag AG, Duisburg, zur Mannesmann Demag Krauss-Maffei AG, die nach der Ausgliederung und Verselbständigung verschiedener Geschäftsbereiche heute am Standort München-Allach in den Hauptgeschäftsfeldern Kunststoff- und Turbinentechnik tätig ist.
Art und Inhalt des Bestandes: Ein Großteil des Firmenschriftgutes der Lokomotiv- und Maschinenfabrik J.A. Maffei bzw. der J.A. Maffei AG, das seit 1931 im Maffei-Palais am Münchner Promenadeplatz untergebracht war, ist 1944 im Bombenkrieg vernichtet worden; erhalten sind etwa 120 Einzeldokumente vermischten Inhalts ab 1841. Auch Unterlagen der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. bzw. der Krauss & Comp. AG sowie der Krauss-Maffei AG gingen über weite Strecken verloren.
Der überlieferte Aktenbestand ist von geringem Umfang und zum Teil stark fragmentiert. Vielfach sind nur Einzeldokumente (ab 1866) unterschiedlicher Provenienz und Zeitstellung überliefert. Erhalten sind unter anderem die Protokolle der Aufsichtsratssitzungen (1917-1930) und Generalversammlungen (1886-1930) der Krauss & Comp. AG sowie die Protokolle der Aufsichtsratssitzungen (ab 1931) und Vorstandssitzungen (ab 1948) der Krauss-Maffei AG - weiterhin die vollständigen Serien der Geschäftsberichte der Aktienunternehmen sowie Jahresabschlussprüfberichte (ab 1931, mit Lücken), Quartalsberichte (ab 1962), interne Bekanntmachungen (ab 1950), Marktstudien (1952-1985), eine umfangreiche Presseausschnittsammlung (ab 1931), Werkspläne sowie Sitzungsprotokolle und Akten des Betriebsrates ab der Nachkriegszeit. Hervorzuheben sind die von der Jahrhundertwende bis 1843 (Maffei) bzw. 1866 (Krauss) zurückreichenden Arbeiterbücher sowie die zeitlich daran anschließenden und bis in die 1960er Jahre fortgeführten Personalkarteien. Teilweise erhalten sind Unterlagen zu den Tochtergesellschaften, etwa zu Eckert & Ziegler, Weissenburg, oder zur 1909 gegründeten Imperial GmbH, Meißen.
Einen wesentlichen Teil des Archivgutes bildet die Sammlung von Werbedrucksachen (Prospekte, Kataloge, Immagebroschüren, Inserate etc.) sowie die umfangreiche Fotosammlung, die Personal, Arbeitsplätze, Produkte, Produktionsanlagen, Werksgebäude, soziale Einrichtungen etc. bei Maffei und Krauss ab den 1880er Jahren dokumentiert. Eine Film- und Videosammlung, die unter anderem Werksfilme aus den 1920er Jahren enthält, sowie eine Gemäldesammlung mit Werks- und Produktmotiven - darunter ein Aquarell von Friedrich Perlberg von 1882 über die Auslieferung der tausendsten Lokomotive bei Krauss - ergänzen den Bestand.